Osterbrauch: Scheitelweihe in St. Jakob am Thurn

Alte Tradition in der Karwoche im Salzburger Tennengau

by Barbara / 28. März 2024 / Event / Tradition
Scheitelweihe St. Jakob - Foto: TVB Puch



Traditionen erleben - die Scheitelweihe am Karsamstag in St. Jakob am Thurn

Frühlingszeit im Tennengau bedeutet nicht nur sprießende Blumen und wärmende Sonnenstrahlen, sondern auch das Erwachen alter Traditionen, die seit Generationen die Herzen der Menschen hier im Salzburger Land berühren. Unter den zahlreichen Osterbräuchen in Puch, wie das Palmbuschen binden oder das Osterlamm backen, die das Osterfest im Tennengau prägen, nimmt die Scheitelweihe bei der Wallfahrtskirche St. Jakob am Thurn einen ganz besonderen Platz ein.

Gerne möchte ich Euch näherbringen, was es mit diesem faszinierenden Brauch auf sich hat und warum er für viele von uns zu einem unverzichtbaren Teil unserer Osterfeierlichkeiten in Salzburg geworden ist. 

Scheitelweihe St. Jakob am Thurn - Foto: TVB Puch - Gerber



"Komm vorbei - bei der Scheitelweih" - ein Brauch mit langer Tradition in Puch

Die Scheitelweihe ist ein Brauch, der in einigen Regionen Österreichs und Bayerns zu Ostern gepflegt wird. Dabei werden Holzscheite, die sogenannten "Scheitel", in der Osternacht am Osterfeuer gesegnet und anschließend von den Gläubigen mit nach Hause genommen und dort dann als eine Art von Glücksbringer aufgehängt. 

Dieser spezielle Osterbrauch hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. In vielen Gemeinden finden wieder Scheitelweihen statt, die von der Bevölkerung gut angenommen werden. Der Brauch verbindet Tradition und Brauchtum mit dem christlichen Osterfest und trägt zur Stärkung der Gemeinschaft bei.

Ablauf der Scheitelweihe in St. Jakob am Thurn

Das charakteristische Geräusch von Sägen und Bohren erfüllt in der Karwoche die Luft in den Werkstätten in Puch, während die Vorbereitungen für diesen besonderen Tag in vollem Gange sind. Die trockenen Buchenholz-Stücke werden durchbohrt und auf einen stabilen, dicken Draht gefädelt. Dabei ist es unerlässlich, um den Draht einen Holzgriff zu haben, um Verbrennungen durch die entstehende Hitze zu vermeiden.

Bei der Anzahl der Holzstücke, die auf den Draht gefädelt werden, gibt es verschiedene Meinungen und Traditionen. Die einen haben pro Person im Haushalt ein Stück Holz am Draht hängen, andere wiederum 3 Holzstücke als symbolische Zahl der Osterzeit für "Vater, Sohn und Heiliger Geist" und einige machen es einfach nach Gefühl und haben keinen besonderen Grund für die Stückzahl.

Scheitel fĂĽr Weihe - Foto: TVB Puch - Gerber

Mit Weidekorb für die Speisenweihe und den Scheiteln in der Hand, sieht man am Karsamstag Abend die Leute zur Wallfahrtskirche pilgern. Vor der Kirche steht bereits ein Lagerfeuer in einer brennfesten Schale bereit. Die Weihe findet vor dem Auferstehungsgottesdienstes um 19 Uhr auf dem Kirchplatz zwischen der Alten Kaiserlinde und der Statue des Johannes von Nepomuk statt. Ob groß oder klein, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau, ob Urgestein oder „Zuagroasta“ (Zugezogener), ganz egal, alle sind herzlich eingeladen ihre Scheitel zur Weihe auf den Kirchplatz zu bringen.'

Speisenweihe St. Jakob - Foto: TVB Puch - Gerber

Bevor der Herr Pfarrer mit den Ministranten zur Segnung erscheint, werden die Scheitel in das Feuer gelegt. Dabei muss genau darauf geachtet werden, dass die Scheitel nur angekohlt werden und nicht zur Gänze verbrennen. Es gab schon den ein oder anderen, der nicht achtsam genug war und dann mit dem Draht alleine - ohne geweihter Scheitel - nach Hause ging.

Segnung Scheitelweihe - Foto: TVB Puch - Gerber

Nach der Segnung der Scheitel im Osterfeuer, wo auch die Osterkerze erstmals entzündet wird zieht der Herr Pfarrer mit den Ministranten zum Auferstehungsgottesdienst in die Wallfahrtskirche ein und die Scheitel-Weiher ziehen die Scheitel aus dem Feuer und löschen es im nahegelegenen Jakobsbrünnlein ab.

JakobsbrĂĽnnlein - Scheitelweihe - Foto: TVB Puch - Gerber

Nach der Festmesse gehen die Kirchgänger mit den angekohlten und geweihten Holzscheite sowie dem geweihten Speisekorb wieder nach Hause, wo es wiederum mehrer Möglichkeiten gibt, was mit den Scheiteln dann passiert.

Schutz und Segen fĂĽr Haus & Hof

Die Holzscheitel dienen als Segenszeichen und werden oft an einem besonderen Ort im Haus oder im Stall aufbewahrt. Die genaue Verwendung der geweihten Scheitel kann je nach familiärer Tradition variieren. Einige Möglichkeiten, wie die gesegneten Holzscheite verwendet werden können, sind:

  • Als Schutz im Haus: Die Scheitel werden oft im Wohnbereich oder in der KĂĽche aufgestellt oder an die Wand gehängt, um das Zuhause vor Unheil und bösen Geistern zu schĂĽtzen.
  • Als Teil des Osterschmucks: Die gesegneten Scheitel können in die Osterdekoration integriert werden, beispielsweise als Teil des Osterstrauchs oder als Tischschmuck während der Osterfeiertage.
  • FĂĽr besondere Anlässe: In einigen Familien werden die geweihten Scheitel bei speziellen Anlässen verwendet, wie zum Beispiel bei Krankheit, Naturkatastropfen oder anderen Herausforderungen, um Segen und Schutz zu erbitten.
  • Als Geschenk: Manchmal werden die gesegneten Scheitel auch an Freunde oder Familienmitglieder verschenkt, als Zeichen der Verbundenheit und des Segens.

Insgesamt dienen die geweihten Scheitel als Symbol fĂĽr den Glauben an die Auferstehung Christi und den Wunsch nach Segen und Schutz im eigenen Zuhause.

Scheitelweihe St. Jakob am Thurn - Foto: TVB Puch - Gerber

Ursprung, Bedeutung und Symbolik der Scheitelweihe

Der Ursprung der Scheitelweihe ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass der Brauch auf heidnische Frühlingsrituale zurückgeht, bei denen Holzscheite als Symbol für die Fruchtbarkeit der Erde verehrt wurden. Im Christentum wurde der Brauch dann mit der Auferstehung Christi in Verbindung gebracht. Die gesegneten Scheitel galten als Schutz vor Unheil und Schaden und wurden als Glücksbringer im Haus aufbewahrt.

Die Scheitelweihe ist dazu ein Brauch mit vielfältiger Symbolik. Das Holz der Scheitel symbolisiert das Leben, das Feuer die Kraft der Auferstehung und der Segen des Priesters den Schutz Gottes. Die Scheitelweihe ist ein Ausdruck des Glaubens an die Auferstehung Christi und der Hoffnung auf ein ewiges Leben.

Scheitelweihe St. Jakob - Foto: TVB Puch - Gerber

Varianten des Brauchs

Die Scheitelweihe kann in verschiedenen Regionen oder bereits im Nachbarort unterschiedliche Formen annehmen. In einigen Orten werden die Scheitel am Ostersonntagmorgen von Haus zu Haus getragen und gegen Eier oder andere Gaben getauscht. In anderen Orten werden die Scheitel am Ostermontag in einer Prozession durch die Gemeinde getragen. Die Gläubigen tragen dabei die gesegneten Scheitel feierlich durch die Straßen und singen traditionelle Osterlieder.

Diese Vielfalt an Variationen macht die Scheitelweihe zu einem facettenreichen und lebendigen Brauch, der die kulturelle Vielfalt und die regionalen Traditionen Ă–sterreichs widerspiegelt.



Die Scheitelweihe - ein Brauch voller Tradition, Glaube & Gemeinschaft

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Scheitelweihe zu Ostern eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt. Mit ihren tiefen Wurzeln in alten Traditionen verknüpft sie auf einzigartige Weise das christliche Osterfest mit dem Erbe unserer Vorfahren. Die Segnung der Scheitel symbolisiert nicht nur den Schutz vor Unheil, sondern auch die Hoffnung auf ein neues Leben und die Auferstehung Christi.

Durch die Teilnahme an diesem Brauch erleben wir nicht nur die Verbindung zu unseren religiösen Wurzeln, sondern auch die Verbundenheit mit unserer Gemeinschaft und der Natur um uns herum. Möge die Scheitelweihe auch in Zukunft ein lebendiges Symbol unserer Glaubens und unserer kulturellen Identität bleiben.

Sei dabei und erlebe die Scheitelweihe hautnah. Ein einzigartiges Ritual, das Tradition, Glauben und Gemeinschaft vereint. Komm vorbei und sei Teil dieser besonderen Tradition zu Ostern!

Ich wünsche euch allen frohe Ostern und gesegnete Feiertage! Möge diese besondere Zeit euch Freude, Hoffnung und Frieden bringen.



Hier geht`s nach St. Jakob am Thurn in Puch bei Salzburg:

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